50 Jahre Widerstand gegen das AKW Kaiseraugst

Dritter Anlauf zur Generalversammlung und Feierlichkeiten

Freitag, 24. September 2021 ab 18:00 bis ca. 21:30 Uhr in Kaiseraugst

Bus Nr. 84 ab Bahnhof Kaiseraugst (17:36/18:06 Uhr) nach Liebrüti, nachher markiert.                  Violahof – Kulturhaus vis-à-vis Liebrüti-Zentrum, Google Maps: Giebenacherstr. 54, Kaiseraugst

Anfangs Mai 1970 wurde NWA, das Nordwestschweizer Aktionskomitee gegen Atomkraftwerke, im Bahnhofssaal Rheinfelden gegründet. Das AKW Kaiseraugst konnte verhindert werden. Zur Feier laden wir euch nach Kaiseraugst zur Jubiläums-Mitgliederversammlung am 24. September 2021 ein.

Ab 18:00 Uhr Ankommen

18:15 Uhr Mitgliederversammlung (wer noch nicht Mitglied ist: hier anmelden)

Ab ca. 19 Uhr Stehlunch und Musik (Sicherheitsorchester/ Aernschd Born)

Ab ca. 20 Uhr Jubiläumsfeier mit Ansprachen 50 Jahre NWA und Gründung OK «50 Jahre Besetzung»

 

Bitte meldet euch an mit Mail an Annemarie Spinnler, annemarie.spinnler (at) bluewin.ch, mit Angabe der Anzahl teilnehmender Personen.

Fakten gegen Gugus

Die SVP gibt sich fleissig Mühe, irgendwelche Gründe zusammenzukratzen, um den Weiterbetrieb unserer unrentablen Atomkraftwerke durch den Bund subventionieren zu lassen.

Gemäss dem Grundsatz „Jeder hat ein Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten“, hier einige Fakten aus der Schweizerischen Elektrizitätsstatistik 2020.

Grafik Fig. 1
Wir müssen nur 32,9% Atomstrom ersetzen. Das heisst, zwei Drittel des Weges haben wir bereits geschafft. Genau genommen ist der Anteil Atomstrom noch kleiner, denn wir produzieren 110% unseres Bedarfs, der Rest geht in den Export. Wenn wir heute die Reaktoren Beznau 1 und 2 stilllegen würden, würden wir immer noch 101% unseres Bedarfs produzieren.
SVP Nationalrätin Magdalena Martullo Blocher: „Ohne Atomkraft rasselt die Schweiz in eine Stromlücke.
Dadurch würden wir auf den Stand eines Entwicklungslandes fallen, oder zurück ins Mittelalter.“

Grafik Fig. 3
Die Schweiz hat im Sommerhalbjahr 2020 netto 5,6 TWh, im Winterhalbjahr netto 0,5 TWh Strom exportiert. Natürlich importieren wir bisweilen viel Strom, aber weitgehend zu Handelszwecken, um Geld zu verdienen.
SVP Nationalrätin Magdalena Martullo Blocher: „Es fehlt uns sehr viel Strom, vorallem im Winter, wo die Solarzellen nichts produzieren. Man kann nicht mehr Strom importieren, und auch die Wasserkraft könnte die Stromlücke nicht füllen.“

Grafik Fig. 14
Seit einer Spitze im Jahr 2010 sinkt der Schweizer Landesverbrauch, in den letzten drei Jahren sogar recht deutlich. Trotz Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszuwachs.
SVP Nationalrat Christian Imark: „Wir verbrauchen jedes Jahr mehr Strom!“

Grafik Fig. 15
Der Pro-Kopf Stromverbrauch sank sogar noch stärker. Das Ziel der Energiestrategie 2050 von – 3% pro Kopf bis 2020 haben wir mit – 11,5% weit übertroffen.
SVP Nationalrat Christian Imark: „Sämtliche Ziele der Energiestrategie 2050 wurden deutlich verfehlt“.
Wenn man das vierfache Uebertreffen eines Ziel als „Ziel verfehlt“ bezeichnet, stimmt seine Aussage.

Insel Beznau: Hochwasser trifft auf Sand und Kies

Die Hochwasser der letzten Woche haben die Tatsache wieder in den Fokus gerückt, dass die Reaktoren Beznau 1 und 2 auf einer Insel mitten in der Aare gebaut wurden. Auf Schwemmland aus Sand und Kies.

Während beim AKW Mühleberg letzte Woche zum fünften mal seit Betriebsbeginn die Sandsäcke gestapelt werden mussten, um das Hochwasser der Aare abzuwehren, nimmt die Axpo in Beznau die Sache locker:
Es hebt, solangs hebt!

Die Kritik, dass es nicht schlau ist, ein Atomkraftwerk mitten in einen Fluss zu bauen, ist nicht neu. Schon 1964 wurde vom Wasserwirtschaftsverband davor gewarnt.

Eine Luftaufnahme der Baustelle des Atomkraftwerks Beznau, aufgenommen am 11. Juli 1967. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Die Ingenieurwissenschaften waren auch 1965 nicht blöd, aber sie gingen von falschen Annahmen aus.
Ein damals definiertes hundertjährliches Hochwasser hält Beznau aus. Wohl auch ein dreihundertjährliches.
Das Problem ist, dass wir heute in einer anderen Welt leben.

Nicht nur haben sich die Extremniederschläge durch die Klimaerwärmung, in der Schweiz bereits über 2 Grad, um rund 30% erhöht.
Wir haben zudem in den Alpen in den sechzig Jahren, seit Beznau geplant wurde, mehr als die Hälfte der gefrorenen Flächen verloren, also Gletscher, Firnschnee und Permafrostböden. Diese hatten den Abfluss vor 60 Jahren noch verlangsamt, heute sind sie nicht mehr da, und auf den nackten Felsflächen und Geröllhalden fliesst das Wasser ungebremst ab.

Zudem hatten wir gerade letzte Woche Tage mit langanhaltenden Niederschlägen mit einer Schneefallgrenze von 3’400 Metern, statt 2’800 Metern in einem Juli vor über 60 Jahren.

Wir haben also Niederschläge mit +30% Intensität, die gefrorenen Flächen um mehr als die Hälfte reduziert, und die Fläche mit flüssigem statt gefrorenem Niederschlag stark erhöht.
Daraus resultiert nicht ein leicht erhöhter Abfluss, sondern ein um gut 50% oder mehr erhöhter Abfluss, verursacht einzig durch den Klimawandel in den Alpen.

Das erklärt dann auch, dass wir in den Jahren 1999, 2005 und 2007 gleich drei hundertjährliche beziehungsweise je nach Gegend dreihundertjährliche Hochwasser hatten.
In 9 Jahren drei dreihundertjährliche Hochwasser zu haben sollte einem einen Hinweis geben, dass die alten Abflussmodelle nicht mehr ganz stimmen.

Das aktuelle Hochwasser ist nochmals ein Hinweis in diese Richtung. Trotz neuem Entlastungsstollen und neuem Regulierungsreglement gingen die Pegel des Thunersees, der Aare und des Bielersees deutlich über die höchste Gefahrenstufe 5 hinaus. Die Reuss bei Luzern auch. Die Limmat nach Zürich auch. Kurz vor Beznau fliessen die beiden Flüsse in die Aare.
Wie sich die starken Niederschläge ab dem nächsten Wochenende auswirken, kann heute noch nicht prognostiziert werden.

Wie erwähnt: Die Reaktoren Beznau 1 und 2 sind für die Schweizer Stromversorgung überflüssig. Sie sollten so schnell wie möglich stillgelegt werden, bevor sie die Aare runterschwimmen.

Beznau 1 und 2 sind überflüssig!

Zur Zeit prüft das ENSI den „Sicherheitsnachweis“ der Axpo für die Reaktoren Beznau 1 und 2.
Die Axpo hofft, vom ENSI nicht allzu viele Sicherheitsmassnahmen aufgebrummt zu erhalten, weil sich dann der Weiterbetrieb der beiden uralten Reaktoren endgültig nicht mehr rentieren würde.


Foto: Wie schön wäre die Insel Beznau ohne die zwei Atomreaktoren!

Würden unserer Stromversorgung die Reaktoren Beznau 1 und 2 fehlen?

Unser Stromverbrauch hat sich seit 2010 stabilisiert, 2018 und 2019 und 2020 sank er. Der Pro Kopf Verbrauch sank seit 2000 um 11,5%. Wir haben 2020 sowohl im Sommerhalbjahr, als auch im Winterhalbjahr mehr Strom exportiert, als importiert. Natürlich gibts nach wie vor Stunden, wo viel billiger Strom importiert wird, wenn europäischer Ueberschuss herrscht.

Der Ausbau auf 100% erneuerbare Stromproduktion ist gar nicht so gross. Wir stehen heute schon auf 62,4% erneuerbarer Produktion, zwei Drittel des Weges sind erreicht.

Die saisonalen Speicher in unseren bestehenden oder bald gebauten Stauseen sind mehr als gross genug, um Schwankungen in der Produktion von Solarstrom und Windstrom aufzufangen.

Unser Stromnetz ist heute schon überdimensioniert. Es würden also keine Ausbauten nötig, ausser der Behebung der bekannten Engpässe. Nur lokal, auf der Netzebene 5, muss manchmal für eine grosse Solar- oder Windenergieanlage das Netz verstärkt werden, aber das wird heute schon gemacht, und ist heute schon finanziert.

Wir haben einen Selbstversorgungsgrad von 110% bei der Stromproduktion. Bei den Lebensmitteln stehen wir auf 54%, bei Oel und Benzin auf 0%. Trotzdem sind wir noch nicht verhungert, und alle unsere fossilen Fahrzeuge fahren.

Würden heute die beiden Schrottreaktoren Beznau 1 und 2 stillgelegt, würden 5,55 TWh Jahresproduktion fehlen.
Das ist weniger, als unser Strom-Exportüberschuss im Jahr 2020 mit 6,3 TWh.

Wenn die Reaktoren Beznau 1 und 2 heute stillgelegt würden, fiele unser Selbstversorgungsgrad von 110% auf 101%.
Unsere Sicherheit vor einem GAU würde aber um 100% steigen!

Es spricht wirklich alles für eine baldige Stilllegung der Atomreaktoren Beznau 1 und 2!