Renaissance der Windkraft in der Schweiz

Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 harzt. Leider.

Das Bundesamt für Energie BFE blockiert eigenmächtig den Abbau der Warteliste der Solaranlagen, die auf die kostendeckende Einspeisevergütung KEV warten. Darum haben wir als NWA die Solar-Befreiungspetition gestartet, die wir am 29.11.2018 einreichen werden.

Bei der Windenergie lief in der Schweiz fast gar nichts mehr. Ihr Anteil an der Stromproduktion lag 2017 bei erbärmlichen 0.23% der Landesproduktion, gegenüber immerhin 3% Solarstrom. Windstrom wäre aber ganz wichtig für die Schweiz, weil wir nach dem Abschalten der AKW tatsächlich eine Schwäche in der Winterstromproduktion haben werden. Diese könnte mit Windstrom behoben werden, der vor allem im Winter produziert wird. Im letzten halben Jahr gab es nun aber vermehrt Anzeichen, dass sich die Windenergie in der Schweiz langsam erholt.

Windparkprojekt auf dem Grenchenberg einen Schritt weiter

Der nationale und der kantonale Vogelschutz ist vor dem Solothurner Verwaltungsgericht abgeblitzt: Ihre Beschwerde gegen das Windparkprojekt auf dem Grenchenberg ist abgewiesen worden. Ihre Anliegen seien umfassend berücksichtigt worden. Nicht genug damit: Der Schweizer Vogelschutz SVS und der Vogelschutzverband des Kantons Solothurn müssen nicht nur die Verfahrenskosten vor Verwaltungsgericht von 5‘000 CHF übernehmen, sondern den projektführenden Städtischen Werken Grenchen (SWG) für deren Aufwendungen und Verfahrensauslagen eine Entschädigung von 30’000 CHF bezahlen.

Der Gotthard-Windpark wird gebaut

Die Tessiner Regierung gibt grünes Licht für den Bau des Windprojektes am Gotthard. Sie hat eine Einsprache der Società Ticinese Arte e Natura (STAN), die Tessiner Heimatschutzvereinigung, gegen die am 9. Juni erteilte Baubewilligung für das Projekt abgewiesen. Im Rahmen des Windparkprojekts sollen fünf Windenergieanlagen auf dem Gotthardpass aufgestellt werden. Die Gesamtleistung des Windparks wird auf 11.5 MW und die jährliche Produktion auf ca. 20 Mio. Kilowattstunden geschätzt. Damit wird der Gotthard-Windpark den Strombedarf von über 6000 energieeffizienten Haushalten abdecken können, was den Bedarf in den Bezirken Leventina und Blenio sogar übersteigt. Der Tessiner Heimatschutz verzichtet auf einen Weiterzug des Verfahrens. Die Windenergieanlagen können somit gebaut werden.

Peter Stutz (Co-Präsident NWA Schweiz)

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Quellen:

Suisse Eole
http://www.suisse-eole.ch/de/news/2018/8/31/gotthard-windpark-nimmt-weitere-hurde-tessiner-regierung-weist-beschwerde-von-heimatschutz-ab-282/
http://www.suisse-eole.ch/de/news/2018/10/1/windparkprojekt-grenchenberg-verwaltungsgericht-stuft-vogel-und-fledermausschutz-als-erfullt-ein-287/
http://www.suisse-eole.ch/de/news/2018/10/5/grunes-licht-fur-windpark-gotthard-der-tessiner-heimatschutz-verzichtet-auf-gang-vor-verwaltungs-und-bundesgericht-289/

Solothurner Zeitung
https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/kanton-solothurn/vogelschuetzer-abgeblitzt-windparkprojekt-auf-dem-grenchenberg-einen-schritt-weiter-133510560

Tessiner Elektrizitätsgesellschaft AET
https://www.aet.ch/DE/Parco-eolico-del-San-Gottardo-a9c8fd00#.W-vm3eYnbMV

Die Schweiz hinkt beim Solarstrom hinterher

Das Bundesamt für Energie (BFE) bremst seit 2013 den Zubau von Photovoltaik (PV). Wir haben in unserer Solar-Befreiungskampagne ausführlich darüber informiert.

Heute Berichtet der Blick im Interview mit NWA Schweiz Co-Präsident Peter Stutz zum Thema.

Hinweisen möchten wir in diesem Zuge auf die zwei wesentlichen Unwahrheiten des BFE:

1. Im Gegensatz zu den heutigen Aussagen hat das BFE 2016 in der Beratung der ES 2050 im Parlament schriftlich festgehalten, dass die PV-Warteliste bis mindestens Ende 2012 abgebaut wird. (Siehe Bild: Folie vom BFE an das Parlament)

2. Wieder wird, wie auch im Blick Artikel, mit „zu wenig Geld“ argumentiert. Ende 2017 lagen 651.62 Mio. CHF im KEV-Fonds, Ende 2018 werden es ca. 800 Mio. bis 1’000 Mio. CHF sein. Die zuständigen BFE Mitarbeiter äußerten sich am Telefon allerdings ganz anders: „Das Geld sei kein Problem, die Geschäftsleitung will es einfach nicht.“

Wenn Ihr uns im Kampf gegen diese willkürliche Politik unterstützen wollt, dann unterschreibt doch noch rasch unsere Petition.

HURRY UP: Am 29.11.2018 ist der Termin zur Einreichung.

Das Mühleberg Nachglühfest

In genau 60 Wochen, am 20.12.2019, ist es soweit. Das Kernkraftwerk Mühleberg stellt den Leistungsbetrieb endgültig ein. Mühleberg ist somit das erste Atomkraftwerk in der Schweiz das stillgelegt wird.

Da man Feste bekanntlich feiern soll wie sie fallen, nehmen wir diesen besonderen Tag zum Anlass und feiern gemeinsam mit euch und allen befreundeten atomkritischen Organisationen das Mühleberg Nachglühfest.

Wir beginnen nun mit der Planung und werden nach und nach weitere Details ergänzen.

Also SAVE THE DATE und nicht vergessen, ladet alle eure Freunde ein.

PS.

Eins ist jetzt schon sicher, für das leibliche Wohl wird gesorgt. Und da es sich um die Weihnachtszeit handelt, wird es natürlich Nachglühwein geben. Bestätigt jetzt im Facebook Event eure Teilnahme.

Wir freuen uns auf euch!

Neugeboren und schon ein Sanierungsfall

Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 läuft schief. Der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion wird behindert, und der Bundesrat passt Verordnung um Verordnung an, um unsere AKWs ewig laufen zu lassen.

Der Bundesrat sagte, dass unsere AKWs weiter betrieben werden dürfen, solange sie sicher sind. Sobald sie die rechtlichen Bestimmungen nicht mehr erfüllen, müssen sie umgehend ausser Betrieb genommen werden. Das bedingt vernünftige Normen im geltenden Recht, die auch durchgesetzt werden, und eine Institution, die das überprüft. Beides ist in der Schweiz infrage gestellt.

Tricksereien und Anpassungen

Wir haben mit der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt EMPA eine Prüf- und Zertifizierungsstelle mit Weltruf. In alter Ingenieurtradition gelten nur Zahlen und Fakten, es gibt keine Gefälligkeitsgutachten. Wäre die EMPA zuständig für die ingenieurmässige Beurteilung der Schweizer AKWs, dann wären Mühleberg, Beznau 1 und 2 schon lange ausser Betrieb, und die AKWs Gösgen und Leibstadt vielleicht noch am Netz.
Da aber aus historischen Gründen das Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI zuständig ist, ein Ableger des notorischen Atompromotors Paul Scherrer Institut, wurde seit Jahrzehnten vom Pfad des seriösen Ingenieurs abgewichen. Wenn dem ENSI ein Resultat nicht passt, vergisst man es zu erwähnen – wie die nicht möglichen zerstörungsfreien Messungen am einbetonierten Primärcontainment eines AWKs. Oder man misst die Risse im Kernmantel nächstes Jahr einfach nicht mehr, wie in Mühleberg. Oder man ändert die Berechnungsmethode der Sprödigkeit des Stahls, wie in Beznau.
Wenn alles nichts mehr hilft, gibt es noch den Bundesrat, der die nicht passende Verordnung passend macht. Beznau müsste wegen der Erdbebennorm stillgelegt werden? Der Bundesrat erhöht in der Kernenergieverordnung den Grenzwert um den Faktor hundert.

Das Kühlwasser von Beznau heizt während fünf Monaten im Jahr die Aare zu stark auf, bis die Fische auf dem Bauch schwimmen? Der Bundesrat erlässt eine Ausnahme in der Gewässerschutzverordnung. Das Prinzip «AKW-Weiterbetrieb solange sicher» ist eine Illusion. Durch das Verhalten von ENSI und Bundesrat ist ein «ewiger Weiterbetrieb» die Realität.

Willkürentscheide des BFE

2017 setzte das BFE die Freigaben für Photovoltaikanlagen(PV-Anlagen) auf Null, obwohl das dem expliziten Auftrag des Energiegesetzes widersprach. Es gebe kein Geld, schrieb das BFE. Dabei stieg 2017 die Reserve in genau diesem Fonds um 103 Millionen Franken auf 114 Millionen Franken. Vor der Abstimmung zur Energiestrategie 2050 fragte das BFE in der Vernehmlassung zur Energieförderungsverordnung:

Wollt ihr Option A, die Warteliste für Solarprojekte gleich schnell abbauen, wie für die anderen erneuerbaren Produktionsarten?

Oder B, mit kleinen Kontingenten bremsen?

Zwei Drittel aller Vernehmlassungsantworten wählten die Option A. Bundesrätin Doris Leuthard entschied sich gegen diese deutliche Mehrheit der Vernehmlassung und legte fest: Variante B, PV blockieren mit sehr kleinen EVS-Freigaben.
Im Widerspruch zur bisherigen Kommunikation hat die Geschäftsleitung des BFE einen draufgesetzt und beschlossen, dass die Warteliste der PV-Anlagen nur bis zum Anmeldedatum 30. Juni 2012 abgebaut werde. Dass in den fünf Jahren bis 2022 nur noch 940 PV-Anlagen freigegeben werden. Damit fielen 15’600 PV-Anlagen ins Nichts, weil sie nie mehr in die Förderung der KEV beziehungsweise EVS aufgenommen werden.

Auch diese im August 2012 gebaute PV-Anlage soll nie mehr in die KEV aufgenommen werden.

Als Alternative wurde vom BFE die Einmalvergütung angepriesen. Diese bringt erstens wenig für PV-Anlagen, die 2012 und 2013 gebaut wurden im Glauben an die Vergütung des produzierten Solarstroms auf Höhe des KEV-Tarifs. Wenn nur 14 Prozent der KEV-Höhe vergütet wird, treibt das die Anlagebetreiber dieser PV-Anlagen in den Ruin, auch mit einer kleinen Einmalvergütung.
Aber auch neue PV-Anlagen haben ein Problem: Die Freigaben für Einmalvergütungen lagen im ersten Halbjahr 2018 bei Null für grössere Anlagen und bei 215 Kleinanlagen mit lächerlichen vier Megawatt Leistung. Auch für die Einmalvergütung existiert eine Warteliste mit sechs Jahren Wartezeit. Zuerst keine KEV beziehungsweise EVS, danach auch keine Einmalvergütung.

Einfache Lösung

Dabei wäre es so einfach: Die PV-Warteliste gleich schnell abbauen, wie die Wartelisten der anderen erneuerbaren Produktionsarten. Geld wäre genug vorhanden. Ende 2017 lagen 651 Millionen Franken im KEV-Fonds herum, bis Ende dieses Jahres werden es zwischen 800 bis 1’000 Millionen Franken sein. Bitte helfen Sie der Solarkraft in unserem Land, indem sie die Solar-Befreiungspetition unterstützen.

Neugeboren und schon ein Sanierungsfall (Veröffentlicht am Sonntag, 30. September 2018 in «Der Nachhaltigkeitsguide» in der SonntagsZeitung)

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Replik zu „Der Pferdefuss der Energiestrategie 2050“ von Silvio Borner / Bernd Schips

Silvio Borner und Bernd Schips behaupten in ihrem Beitrag in der NZZ, die Solarenergie würde in der Schweiz niemals marktfähig. Um diese These zu untermauern, ziehen sie Zahlen des staatlich kontrollierten französischen Monopolisten Electricité de France (EDF) bei. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn dieser hoch verschuldete Staatsmoloch als „vertikal integrierter Konzern“ bezeichnet wird. Und diese Zahlen stammen von 2015.

Die Kosten der Photovoltaik pro produzierter Kilowattstunde sinken aber ständig, und haben sich seit 2015 weiter vermindert. Die Autoren lassen unerwähnt, dass weiter die Kosten für die Stromspeicherung ständig sinken. Man denke nur an die Massen-Produktion von kleinen Speichern durch Tesla. Die Swissgrid könnte noch deutlich höhere Mengen an erneuerbarem Strom schlicht durch geschickte Regelung ins Stromnetz integrieren. Die Autoren vergessen auch, dass lokal direkt genutzter Solarstrom die Stromnetze entlastet und damit die Kosten für den Stromnetzbetrieb senkt.

Problematisch ist allerdings aus ökonomischer Sicht die derzeitige Förderpraxis des Bundesamts für Energie: Es bevorzugt kleinere PV-Anlagen gegenüber grösseren über 100 kWh, bei denen sich Skalenerträge und damit mehr Strom pro investiertem Franken erzielen lassen würde. Immerhin sind die Beiträge an Eigenverbrauchs-Anlagen so hoch, dass damit Eigenheim-Besitzer spürbar Geld sparen können.

Problematisch ist derzeit auch, dass Biomasse einen viel höheren Beitrag pro kWh erhält als die Photovoltaik. Das ist volkswirtschaftlich ineffizient. Die Förderpolitik des BFE liesse sich konsequenter auf die Steigerung der Produktion von erneuerbarem Strom ausrichten – das ist aktuell die wichtigste Herausforderung für die Energiestrategie 2050.

Atomenergie wird längerfristig keine Rolle mehr spielen. Sie ist jetzt schon defizitär und so teuer, dass die Finanzkommissionen der eidgenössischen Räte den Stillegungs- und Entsorgungskosten kürzlich ein eigenes Seminar widmen mussten.

Unterschreiben Sie jetzt die Solarbefreiungspetition von NWA, die hier Gegensteuer gibt!

Jan Schudel (Präsident NWA Region Basel)

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